Monster und andere Gesellen


Fotos und Text
von Edelgard Seggewiße
     Sie schlafen, bereit, geweckt zu werden,
bereit, dich anzuspringen.
Unvermutet packen sie dich.
Klammern sich fest und nagen an dir.
Höhnisch blicken sie dich an.
Sie machen sich lustig
und zeigen mit dem Finger auf dich.
     Sie ziehen sich zurück
und wähnen Dich in Sicherheit,
schlagen erneut zu,
immer und immer wieder.
Du fühlst dich machtlos, ausgeliefert.
Du machst sie noch größer, noch aufdringlicher,
aber nur,
wenn du es zuläßt.
     Tu was!
Entreiße sie dem Dunkeln, bringe sie ans Licht
Akzeptiere sie,
Aber gebe ihnen keinen Raum in deinem Leben.
Hör auf sie zu nähren.
Sie werden schrumpfen.
Sie werden sich auflösen oder so winzig,
dass DU über sie lachst!
     Suche dir eines heraus,
wende und drehe es
betrachte es von allen Seiten.
Je näher es du kennenlernst,
je mehr verliert es an Schrecken -
an Macht.
Vor etwas, das du kennst,
fürchtest du dich nicht, oder?
     Sprich mit ihm.
Zeige, dass du dich ihm stellst
Du darfst auch ein Monster sein!
 
Bindes es nicht an dich,
indem du ihm Macht über dich gibst.
Entziehe ihm deine Kraft,
und somit, die Gelegenheit zu wachsen.
     Stell dir vor,
wie du das Monster
zwischen den Fingern zerdrückst,
wie es langsam zerfällt,
wie es vergeht.
 
Stell dir vor,
wie du ihm das Genick brichst
und dich dann besser fühlst.
     Von welchen Monstern ich spreche?
Ich kann es dir verraten,
aber es gibt viele,
und jeder hat seine eigenen.
 
Kleine, große
hartnäckige, sture,
solche, die sich stets im Verborgenen halten,
oder sich in einem anderen Gewand zeigen.
     Solche,wie Neid, Gier, Hass,
die sich unverschleiert und ohne Scheu zeigen.
 
Solche, wie Eifersucht und Machtgier,
die im Dunkeln heranwachsen.
 
Aber auch solche, wie Gewohnheiten,
die sich unbemerkt einschleichen
und sich ungehindert vermehren.
     Solche,
mit denen du spielst,
weil du nicht erkennst, wie gefährlich sie sind.
Ganz allmählich ergreifen sie Besitz von dir.
Bis du es merkst,
bist du bereits von ihnen gefangen.
     Solche,
die in dein leben springen,
weil du sie gerufen,
durch deine Gedanken, Wünsche und Ängste.
 
Solche,
die ohne dein Dazutun erscheinen,
die dich auswählen.
Hier gib acht!
Wenn du sie gewähren lässt,
verschlingen sie dich mit Haut und Haar.
     Nur du kannst sie hindern.
Nur du kannst sie besiegen.
Nur, wenn du sie kennst und ihnen trotzt,
werden sie schrumpfen und weichen,
dich zum Helden machen in deinem Roman.
Du bist die Hauptfigur.
Nur du allein kannst entscheiden, was du willst.
Vernichte das Monster,
oder lasse dich vernichten.
Du hast die Wahl.
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